Wer in Lexika nachschlägt, wird kaum etwas finden. Bei wikipedia.de wird man auf das Sachbuch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ von John Perkins weitergeleitet.
Wirtschaftsberatung im Sinne der USA
Perkins wurde unter Mitwirkung des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA 1971 bei der Consultingfirma MAIN eingestellt.
MAIN war ein regierungsnahes Unternehmen und lebte hauptsächlich von Aufträgen der US-Regierung, der von den USA dominierten Weltbank, USAID und ähnlichen Organisationen.
Abhängigkeit durch enorme Schuldenmacherei
Die Aufträge bestanden in Reisen in andere Länder, hauptsächlich Entwicklungsländer, um dort wissenschaftliche Analysen und Planungen zum Aufbau der dortigen Industrie durchzuführen. Gerne geschah dies unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungs- und Wirtschaftshilfe.
Tatsächliches Ziel war, die untersuchten Staaten durch extrem optimistische Gutachten für die wirtschaftliche Entwicklung dazu zu bewegen, sich massiv zu verschulden. Geldgeber waren die USA und die Weltbank. Dem Geld tat es nicht weh, der größte Teil blieb ja in den USA, weil dortige Bauunternehmen die Aufträge bekamen.
Das billige Ausbeuten von wertvollen Rohstoffen
Gebaut wurden Flug- und Seehäfen, Strom-, Straßen- und Schienennetze. Ein besonderer Schwerpunkt war der Bau von Ölfördereinrichtungen. Dem Rohstoff, den die USA so verschwenderisch konsumierten.
Ging es den Bevölkerungen der rohstoffliefernden Länder dadurch besser?
Vielleicht profitierten die obersten 5 % der Bevölkerungen. Unter anderem die Empfänger von Bestechungsgeldern. Die anderen versanken immer mehr in Armut, da durch massive Umweltzerstörung ihre Lebensgrundlage genommen wurde. Ebenfalls konnte der eigene Staat nicht helfen, weil …
- … die Wirtschaftsprognosen völlig übertrieben waren und gar nicht so viel Geld hereinkam, um die Schulden tilgen zu können. Das machte diese Staaten immer abhängiger von den USA/Weltbank.
- … unter vermutlicher Mitwirkung der CIA und ähnlicher Kräfte Marionettenregierungen installiert wurden, die ihr eigenes Volk in Schach hielt. Dazu gab es umfangreiche Waffenlieferungen. Ebenfalls aus den USA.
- … meist eine Kombination von 1.) und 2.) zutraf.
Auch Perkins war Täter – moralisch gesehen
Perkins war bereit gefälschte Prognosen zu liefern und verkaufte sie so überzeugend, dass er schnell in diesem verbrecherischen System aufstieg. Er schreibt von seinen Tätigkeiten in Ecuador, Indonesien, Panama, Saudi-Arabien und dem Iran.

Wirtschaftskiller John Perkins damals - seit Jahren arbeitet er an „Wiedergutmachung“
Einerseits wusste er genau was er tat, andererseits hatte er offene Augen und Ohren für die Menschen in den Ländern. Es entwickelten sich einige tiefgründige Freundschaften zu seinen „Opfern“, so dass er trotz der gewaltigen Karriere und der jüngsten Partnerschaft bei MAIN-Consulting ausstieg und viele Jahre später das vorgestellte Buch mit dem passenden Untertitel „Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia“ schrieb.
„Die Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ sind erschreckend und schmerzlich, doch genauso aufklärend und Mut gebend.
Der Leser erfährt unter anderem vom dreckigen Deal, der unter Mitwirkung Perkins 1974 zwischen dem Saudischen Herrscherhaus und dem US-Finanzministerium geschlossen wurde und heute noch gilt. Das in der Erstausgabe 2004 erschienene Werk gibt es mittlerweile als preiswerte Taschenbuchausgabe im Goldmann-Verlag. Leicht zu lesen, gleich kaufen.
John Perkins in Kulturzeit (3sat)
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Bildmaterial: Goldmann Verlag · 3Sat


